Das Treiben und Bleichen sind traditionelle agronomische Techniken, die eingesetzt werden, um Qualität, Geschmack und Konsistenz einiger Chicorée-Sorten zu verbessern. Dieser Prozess besteht darin, den Pflanzen vorübergehend Licht zu entziehen und das Nachwachsen unter kontrollierten Bedingungen zu fördern, wodurch zartere, knackigere Blätter mit weniger bitterem Geschmack entstehen

Was sind Treiben und Bleichen?
Während des natürlichen Wachstums entwickelt Chicorée grünere und faserigere Blätter, die oft durch eine ausgeprägte Bitterkeit gekennzeichnet sind. Durch das Treiben wird das Wachstum im Freiland unterbrochen und ein neuer vegetativer Austrieb in geschützter Umgebung angeregt. Das Bleichen erfolgt hingegen durch die Reduzierung der Lichteinwirkung, wodurch die Chlorophyllproduktion eingeschränkt wird und die Blätter heller und zarter werden.
Hauptvorteile
- Verbesserung der Süße und Verringerung der Bitterkeit
- Zartere und knackigere Blätter
- Kräftigere und gleichmäßigere Farben
- Höherer Handelswert des Produkts
Diese Techniken sind besonders wichtig für zwei Sorten: den späten roten Treviso-Chicorée und den Gorizianer „Voglia“-Chicorée. Sehen wir uns die beiden Verfahren im Detail an.
Cicoria rossa di Treviso tardivo - Treibtechnik im Wasser
Das Treiben im Wasser ist die traditionelle Methode, um den typischen späten Radicchio mit länglichen Blättern und weißen Rippen zu erhalten.

Wann wird der Vorgang durchgeführt ?
Dies geschieht nach den ersten Herbstfrösten, wenn die Pflanzen ihre Reife erreicht haben und die Kälte die Zuckeranreicherung in den Wurzeln gefördert hat. Schritt-für-Schritt-Verfahren:
1.Ausgraben der Pflanzen
Die Chicorée-Pflanzen werden mit der gesamten Wurzel aus dem Boden gezogen, wobei die äußeren, beschädigten Blätter entfernt werden.
2.Reinigung und Auswahl
Die Wurzeln werden leicht gekürzt und beschädigte Teile entfernt.
3.Bündeln
Die Pflanzen werden zu kleinen Bündeln zusammengefasst, um die Handhabung zu erleichtern.

4.Eintauchen ins Wasser
Die Bündel werden senkrecht in Becken oder Behälter mit fließendem oder häufig erneuertem Wasser gestellt.
- Das Wasser darf nur die Wurzeln bedecken
- Ideale Temperatur: 10–15 °C
- Dunkle oder schwach beleuchtete Umgebung
5.Neuaustrieb und Bleichen
Nach 10–20 Tagen entwickeln sich aus dem Vegetationskern der Pflanze neue, helle und kompakte Triebe.
6.Endbearbeitung
Die äußeren Blätter werden entfernt und die Wurzel wird zugeschnitten, um ein verzehrfertiges Produkt zu erhalten.
Ergebnis
Der Radicchio weist intensiv rote Blätter, knackige weiße Rippen und einen kompakten, süßen Kern auf. Für weitere Informationen zum Treiben des späten roten Treviso-Radicchio werfen Sie einen Blick auf unseren speziellen Leitfaden.
Smarties.bio bietet drei Sorten zum Treiben an: Botteniga, Cagnani und San Benedetto.

Cicoria Goriziana Voglia - Treibtechnik in Sägemehl
Der Gorizianer „Voglia“-Chicorée verwendet eine andere Methode, die auf dem Einsatz von Sägemehl basiert und ein langsameres Bleichen fördert, wobei das Treiben im Wasser – ähnlich wie beim Treviso Tardivo – ebenfalls möglich ist.
Wann eingreifen?
Auch in diesem Fall erfolgt der Eingriff nach den ersten Frösten, wenn die Pflanzen ihre Entwicklung im Freiland abgeschlossen haben.
Schritt-für-Schritt-Verfahren:

1.Ernte mit Wurzel
Die Pflanzen werden mit dem gesamten Wurzelsystem und oberirdischen Teil entnommen, wobei alle beschädigten oder faulenden Teile entfernt werden.
2.Vorbereitung des Behälters
Es werden Kisten oder Behälter verwendet, die mit sauberem, gut angefeuchtetem Sägemehl gefüllt sind.
3.Platzierung der Pflanzen
Die Chicorée-Pflanzen werden senkrecht aufgestellt, wobei die Wurzeln im Sägemehl eingebettet sind.
4.Vollständiges Abdecken
Die Basis und ein Teil der Blätter werden mit Sägemehl bedeckt, sodass eine dunkle Umgebung entsteht.

5.Kontrolle der Feuchtigkeit
Das Sägemehl muss feucht, aber nicht nass bleiben, um Fäulnis zu vermeiden.
6.Warten auf den Neuaustrieb
Nach etwa 10–15 Tagen entwickeln sich neue, zarte und gebleichte Triebe.
7.Endreinigung
Das Sägemehl wird entfernt und das Produkt wird nachbearbeitet.
Ergebnis
Der so gewonnene Gorizianer „Voglia“-Chicorée hat helle, zarte Blätter, eine feine Konsistenz, einen deutlich gemilderten bitteren Geschmack sowie einen kompakten und sauberen Kern.
Schlussfolgerungen
Das Treiben und Bleichen sind grundlegende Verfahren, um die Qualität einiger traditioneller Chicorée-Sorten hervorzuheben. Die Wassermethode, typisch für den späten roten Treviso-Chicorée, ermöglicht ein knackiges Produkt mit intensiver Farbe. Die Sägemehltechnik, die beim Gorizianer „Voglia“-Chicorée angewendet wird, sorgt hingegen für ein sanfteres und gleichmäßigeres Bleichen. Beide Verfahren, wenn sie korrekt durchgeführt werden, ermöglichen es, diese gärtnerischen Spezialitäten optimal aufzuwerten und ihren Geschmack, ihre Konsistenz und ihren kulinarischen Wert zu verbessern.